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Gertrudskirche

Baugeschichte

Die Kirche auf dem Thunauer Schlossberg war für viele Jahrhunderte die eigentliche  Pfarrkirche von Gars. Zur Zeit Leopold II.     (1075-1095) wurde oberhalb der jetzigen Kirche im Obergeschoss des Südturmes  bereits die romanische Pankratiuskapelle errichtet. Auf der untersten Geländestufe, die von der babenbergischen Hochburg im Zentrum der Burganlage überragt wird,      entstand im Laufe der Jahrhunderte ein kunstgeschichtliches Juwel, das die Geschichte von Pfarre, Herrschaft und Markt Gars in einzigartiger Weise widerspiegelt.

Fresko des Hl. Leopold über der Eingangstüre

Die dreischiffige Basilika, die auf die Zeit vor 1250 zurückgeht (Pfarrherr war Mag. Gerhard, ein enger Vertrauter von König Ottokar Premysl), weist Stilelemente aller großen Epochen auf:

Bis 1250  eine spätromanische Basilika mit flachen Decken. Nach älteren Beschreibungen soll der 1130/40 errichtete Westturm  an drei Seiten frei gestanden sein.  Neuere baugeschicht-liche Untersuchungen hingegen treten den Beweis an, dass der Turm von Beginn an  in die Westfassade eingebunden war. Eines der vier zweiteiligen Fenster (Biforien) mit romanischer Säule und Würfelkapitäl  ist noch sichtbar, ebenso der Hocheinstieg in die romanische Herrschaftsempore.  Im Inneren ist noch ein romanisches Taufbecken und ein romanischer Rundbogen erhalten, der vermutlich den ursprünglichen Kircheneingang darstellt.

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts findet die Westfassade eine weitere Ausgestaltung mit vier spätromanischen und einem gotischen Radfenster, dem ?Katharinenrad?.

Wir werden später der Hl. Katharina mit ihrem Attribut am barocken Hochaltar und am Zunftaltar der Fleischhacker wieder begegnen.

Chorabschluss mit Hochaltar

Im 14. Jahrhundert werden alle drei Schiffe durch gotische Vorbauten nach Osten vergrößert (Chöre mit 5/8-Abschluss). Damit war das heutige Ausmaß der Kirche erreicht: Länge ca. 37m, Breite ca. 7.5 ? 19,5m Höhe 12m. Im Hauptchor sehen wir an der Südwand eine gotische, dreiteilige Sessions- und zwei Spitzbogennischen. Gegenüber befindet sich das Sakramentshäuschen mit der Statue von Gott -Vater mit Weltkugel und Baldachin. An der Südseite wurde, etwas tiefer liegend,  die Johanneskapelle mit einem zierlichen Knickrippen-gewölbe errichtet (1395 zunächst als hl.Johannes-Evangelist-Altar).

Die bedeutendsten Kunstschätze aus dem 14. Jahrhundert aber sind die sieben Glasfenster mit Darstellungen aus der Gertruds- und Johanneslegende (etwa 1290 ? 1330).

Glasfenster der
Gertrudslegende

Unter den Wandmalereien des 14. Jahrhunderts seien einige hervorgehoben:

Die Marter des Achatius (östliche Mittelschiffpfeiler),

Einzug in Jerusalem und Letztes Abendmahl (südliches Seitenschiff),

Schutzmantelmadonna (Mittlerer Pfeiler des südlichen Seitenschiffes).

Pietà (Zeitbrücke-Museum)

Aus dem 15. Jahrhundert sind zwei Objekte von größerer Bedeutung: die Pietà (um 1420), die sich heute wie die Statue der Hl. Anna Selbdritt im Garser Zeitbrücke-Museum befindet sowie ein Flügelaltar um 1490 (Sammlung des Stiftes Herzogenburg).

Die Zeit der Renaissance ist als vierte Phase besonders für die Innenausstattung der Kirche wichtig, da in der zweiten Hälfte des   16. Jahrhunderts unter der Herrschaft des Georg und Michael Teufel zahlreiche Grabmäler errichtet wurden.

Grabmal des Georg Teufel
Zunftaltäre der Fleischhauer und der Weber
(Fotos: Peter Böttcher)

Nachdem die Kirche 1620 unter Dampierre und 1645 durch die Schweden geplündert wurde, kommt es erst wieder in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu Erneuerungen, etwa die Zunftaltäre der Fleischhauer und Weber und als krönender Abschluss der Hochaltar aus dem Jahr 1681.

Empore mit Orgel (Foto: Peter Böttcher)

1697/98 wurde der Turm aufgestockt und erhielt nun einen barocken Helm aus Sandstein-segmenten und Pyramiden an den Ecken.

1737 wurde das Gestühl sowie die Kanzel mit dem Rumel?schen Wappen errichtet. 1786 folgte der Einbau der hölzernen Empore mit der Barockorgel. 

1831 wurde die Flachdecke des Mittelschiffes durch ein zugespitztes Tonnengewölbe ersetzt, wobei die darüber liegenden Seitenfenster vermauert werden mussten.

Zwischen 1972 und 1975 erfolgte unter Prälat Wilhelm Mantler die Restaurierung der gesamten Kirche anlässlich der 900-Jahrfeier des Heiligen Leopold III.. Die 1786 erworbene Orgel mit marmoriertem barockem Gehäuse wurde 1977 erneuert (Werk von Gerhard Hradecky) .