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Die Pfarrkirche Hl. Simon und Judas Thaddäus

Pfarrkirche mit Pfarrhof (Foto: Peter Böttcher)

1387 wurde in einer Stiftung erstmals die von einem Friedhof umgebene Simonskapelle genannt, an deren Stelle  sich heute die an der Ostseite des Marktplatzes gelegene Pfarrkirche befindet. Im Jahre 1593, zwei Jahre vor der Vollendung des Renaissancepfarrhofes wurde die Marktkirche erweitert. Nach dem Brand von 1620 blieb die Kirche einige Jahre lang eine Ruine, 1626 ließ ein Verwalter Johannes in Rosenburg den Hochaltar der Kapelle wieder herstellen. 1629 wurde ein neuer Hochaltar errichtet.

Nachdem die Kirche 1724 neuerlich abgebrannt war, erhielt sie in den folgenden Jahren des Wiederaufbaues unter Verwendung älterer Teile und des Chores von 1593 bzw.1623  ihre heutige Gestalt: Errichtung des Turmes, Aufstellung des Frauen- und Michaelialtares im Jahre 1727 mit Statuen des Bildhauers Johann Georg Becker, Errichtung der Kanzel 1765, Neubau des Musikchores 1786 und des Hochaltares 1798. 1805 wurde der alte Frauenaltar in die Pfarrkirche am Schlossberg übertragen und durch den gegenwärtigen Altar ersetzt.

Chorabschluss mit Hochaltar (Foto: Peter Böttcher)

1806 ließen mehrere Garser Bürger ein Marienbild vom Maissauer Maler Johann Martin Grassinger über dem Tabernakel des Hochaltares aufstellen. 1827 malte ein Schüler des Kremser Schmidt die Deckengemälde der Kirche. 1868 wurde der Turm erhöht und neu eingedeckt. 1907 wurde eine neue Orgel aufgestellt, während die alte in die Gertrudskirche übertragen wurde.

1957 erfolgte die Außenrenovierung der Kirche und im Jahre 1969 wurde mit der Innenrestaurierung (Volksaltar, Ambo, Sakristei;  Entfernung des Chorgitters und der Malerei hinter dem Hochaltar) begonnen.

Einrichtung der Pfarrkirche

Der 1804 vollendete Hochaltar besteht aus rotgrau marmoriertem und teilweise vergoldetem Stuck. Über dem Altar befindet sich ein großer, polychromierter Holzkruzifixus des Eggenburger Bildhauers Michael Weiß, am Schaft bezeichnet 1778. Darüber Figurengruppe Gott-Vater und Taube vor einer ovalen Fensternische.  Über dem Tabernakel das bereits erwähnte Marienbild aus dem Jahre 1806, aufgestellt zum Dank für den Schutz Gottes in den Kriegsdrangsalen des Jahres 1805.

Beiderseits des Hochaltares befinden sich die auf Sockeln aufgestellten Apostel Simon und Judas Thaddäus (2. H. 18. Jh.). Die ehemals farbig gefassten, heute weißen Stuckfiguren des Steinmetzen Witter aus Eggenburg repräsentieren die Patrone der Garser Pfarrkirche.

Die Kirchenpatrone Simon und Judas Thaddäus (28. Oktober)

Simon (Zelotes), geb. um Christi Geburt,  wirkte wahrscheinlich als Missionar unter den Juden und erlitt zu einem unbekannten Zeitpunkt das Martyriums. Auf Abbildungen ist er oft mit einer Säge als Zeichen seines Martyriums dargestellt. Aus diesem Grund haben ihn die Holz- und Waldarbeiter zu ihrem Schutzpatron erwählt, ebenso aber auch  die Färber, Gerber, Leberarbeiter, Weber und Maurer. Eine Darstellung des Simon Zelotes aus dem Jahr 1709 ist auch in der Kremser Stadtpfarrkirche (St. Veit) zu sehen. Neben der Säge ist der Heilige oft auch mit Lanze, Keule, Schwert oder Beil dargestellt; fast immer hat er aber ein Buch bei sich.

Fast immer ist der Apostel Simon mit Judas Thaddäus dargestellt, was auf die gemeinsame Tätigkeit der beiden Apostel und ihren vielleicht gemeinsamen Tod hinweisen soll. Judas Thaddäus gehört zu den weniger bekannten Aposteln. Erst seit dem 18. Jh. ist seine Verehrung etwas stärker geworden. Er wird seither gern bei besonders schweren Anliegen angerufen.

Nach einer Legende soll er gemeinsam mit Simon Zelotes in Syrien, Mesopotamien und Persien gewirkt haben und dort sein Martyrium gefunden haben. Das Tatwerkzeug war nach der Überlieferung die Keule. Als Attribut hat er Keule, Steine, Hellebarde und Buch bei sich.

Eine berühmte Darstellung des Heiligen befindet sich im Kunsthistorischen Museum in Wien (Anton van Dyck, 17. Jh.).

Seitenaltäre

Marienaltar
Josefsaltar (Fotos: Peter Böttcher)

Der Marienaltar an der Südseite des Chores zeigt eine bemerkenswerte gotische Madonnenstatue mit einer barocken Fassung.     Die farbig gefasste und vergoldete Holzfigur des Hl. Josef mit dem Kinde stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Neben den übrigen Heiligenstatuen (Hl. Sebastian und Hl. Antonius von Padua) ist noch die vergoldete Holzstatue des Erzengels Michael mit der Seelenwaage und dem flammenden Schwert des Jüngsten Gerichtes  hervorzuheben. Die heute an der Orgelempore befestigte Statue stammt vom Altar der Weberzunft der Getrudskirche aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.

Die Kanzel aus dem Jahre 1765:   Das Hauptfeld der gebauchten Kanzel zeigt ein Bild des Guten Hirten in Halbfigur und das des Sämannes an der Rückwand. Seitlich von dieser flankierende Volutenbänder mit fliegenden Putten davor. Der Schalldeckel mit bekrönender, vergoldeter Figur Johannes des Täufers und  Cherubsköpfchen.

Der Kreuzweg wurde 1870 vom Kremser Maler Horst angefertigt. Die Glasfenster , darunter  der Heilige Leopold und die Mutter Gottes sind private Stiftungen um etwa 1900.

Die Deckengemälde des Chores  von Johann Wambacher aus dem Jahre 1828 umfassen folgende Szenen: 

  • Moses empfängt auf dem Berg Sinai kniend die Gesetzestafeln, während unten zu beiden Seiten das isrealitische Volk mit seinen Zelten lagert .
  • Das Letzte Abendmahl (querovales Bild im mittleren Abschluss)
  • Verkündigung und Anbetung der Hirten (unter den Stichkappen)
  • Jesus im Haus des Simeon (im Triumphbogenscheitel)

Unter den  Glocken der Pfarrkirche sind zwei hervorzuheben, die von der Gertrudskirche stammen: die eine aus dem 14. Jahrhundert mit den Namen den vier Evangelisten in Majuskelschrift, die andere spendete laut Inschrift Christoph Zachmann, Richter und Marktmüller zu Gars im Jahre 1582.