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Pfarrgeschichte

Fundamente der karolingischen Kirche (Zeitbrücke-Museum Gars)

Die Spuren der Christianisierung im Garser Raum reichen tief ins Frühmittelalter zurück. 1986 konnten im Zuge der Grabungen  im Bereich der Thunauer Schanze Fundamente einer einschiffigen, karolingischen Kirche aus dem 9. Jahrhundert mit halbrunder Apsis freigelegt werden (Dokumentation im Zeitbrücke Museum Gars). Ein Bleikreuz aus dieser slawischen Siedlung dokumentiert die fränkisch-bayerische Mission nach den Awarenkriegen.

 

Südturm der Garser Burg mit Pankratiuskapelle

Mit der Errichtung der Herrschaft Gars durch die Babenberger (Leopold II. residierte hier zwischen 1075 bis zu seinem Tod 1095) beginnt auch die Geschichte der Pfarre Gars.

Im ersten Obergeschoß des Südturmes oberhalb der Gertrudskirche finden sich noch Teile der romanischen Pankratiuskapelle.

Die urkundlich 1135 unter den 13 Eigenpfarren  der Babenberger erwähnte Pfarre Gars zählt zu den Urpfarren des Waldviertels.

54 Jahre nachdem sie vom Markgrafen Leopold III. an das Bistum Passau übergeben wurde, wird bereits mit Volkmar, der erste Pfarrherr von Gars genannt. Fast 300 Jahre, von 1267 - 1564 bildete die Doppelpfarre Gars-Eggenburg ein Lehen, das von den jeweiligen Landesfürsten an hohe Beamte, Berater oder Erzieher am Wiener Hof verliehen wurde. Zu diesen Persönlichkeiten zählten etwa Andreas Plank, Kanzler unter Albrecht IV. und Erzieher des Sohnes und Thronfolgers. Matthäus Lang von Wellenburg, nachmaliger Privatsekretär des Kaisers Maximilian I. und Fürst-Erzbischof von Salzburg stand von 1500-1505 der Pfarre Gars vor. Mit Thomas Eckher (1592-1603) beginnt nach den Wirren der Reformationszeit eine Zeit der Neubesinnung. Matthäus Lang, auch mit der Kardinalswürde ausgezeichnet, leitete übrigens 1521 die Reichstagssitzung zu Worms, in der Martin Luther seine Thesen verteidigte. Thomas Eckher verpflichtete sich 1592, die Seelsorge in Gars persönlich zu leiten, nachdem zuvor eigene Vikare die seelsorgerische Arbeit in der Pfarre geleistet hatten.

 

 

Zur Pfarre Gars (Pfarrkirche Hll. Simon und Judas Thaddäus) zählen heute folgende Orte:

Buchberg (mit Schlosskapelle), Etzmannsdorf (Dorfkapelle), Kamegg  (Wallfahrtskapelle Maria Bründl), Kotzendorf (Dorfkapelle), Maiersch (Filialkirche mit Friedhof), Loibersdorf,  Nonndorf (Dorfkapelle), Thunau (Gertrudskirche mit Karner), Wanzenau (Dorfkapelle), Zitternberg (alte und neue Dorfkapelle). Die Garser Katastralgemeinde Tautendorf mit der berühmten barocken Fischerkanzel in seiner josefinischen Kirche ist eine eigene Pfarre.

Zu den bedeutendsten sakralen Baudenkmälern der Pfarre Gars (Pfarrkirche Hll. Simon und Judas Thaddäus, Gertrudskirche auf dem Thunauer Schlossberg und die Kamegger Bründlkapelle informiert auch ein neue Broschüre (32 Seiten, 24 Abbildungen), die in der Garser Pfarrkirche aufliegt. Zu den sakralen Kleindenkmälern gibt es einen Ausstellungskatalog des Garser Zeitbrücke-Museums.

 

Eingangstor zum Pfarrhof ? 1595 (PB)

Thomas Eckher bewirkte auch die Wiederherstellung des Pfarrhofes, woran die Inschrift über dessen Tor erinnert: ?Non sibi, sed tibi. Sedente Pontifice Clemente VIII. Imperatore Rudolpho II.. Episcopo Passaviensi Urbano has a secula collapsas aedes reaedificavit Thomas Eckher, parochus in Gars, Anno domini 1595? (Nicht für mich, sondern dir. Unter der Regierung des Papstes Clemens VIII., des Kaisers Rudolf II. und des Urban, Bischof von Passau, wurde dies durch die Zeit zusammengebrochene Gebäude durch Thomas Eckher, Pfarrer zu Gars, wieder aufgebaut im Jahre des Herrn 1595.)  Die Halbfigur  eines bärtigen Mannes mit Halskrause am Pfarrhoferker, der mit dem Reichsadler in Moreskenrahmung geschmückt  ist, dürfte den Bauherrn darstellen.

Renaissance-Erker

Der Pfarrhof lässt sich urkundlich bis zum Jahre 1392 zurückverfolgen als ?Haus zunächst der Simonskapelle? zurückverfolgen. Das einstöckige, hakenförmige Gebäude (1595) ist an der Westseite an die Kirche angebaut. Das Erdgeschoss ist durch ein Simsband, das auch den westlichen Eckerker umläuft, vom Obergeschoss geschieden. Über den fast quadratischen, unregelmäßig angebrachten Fenstern  befindet sich ein Kranzgesims ein Quaderstreifen, der das ganze Gebäude umläuft. Das Kranzgesims selbst besteht aus Wulst und Konsolenfries, der das Dach trägt; zwischen den Konsolen erkennt man abwechselnd skulpierte Rosetten und Löwenmasken.

Pfarrhof innen: Sonnenuhr (16. Jh.) und Kartusche mit Inschrift.

An der Hofseite ist über dem Torgewölbe eine Kartusche in reicher Rollwerksrahmung mit Greifen und Masken eingemauert.          Die Inschrift trägt denselben Wortlaut wie jene am Portal. Daneben befindet sich eine Sonnenuhr aus der Zeit der Spätrenaissance. Der Hof wird  gegenüber dem Einfahrtstor von den 2005/6 adaptierten Jugend- und Seelsorgeräumen und zur Kirchengasse hin von einem 2007 neu gestalteten großzügigen Garten eingerahmt.

Im Inneren des Pfarrhofes befinden sich zahlreiche gratgewölbte Räume, darunter die ehemalige Pfarrbücherei zu beiden Seiten des Renaissanceerkers, der für pfarrliche Aktivitäten  genutzt wird.

Innenhof mit Zugang zum Garten