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Geschichte der Pfarre und der Pfarrkirche Stiefern

Die landesgeschichtliche Forschung nimmt an, dass in Stiefern schon eine Kirche bestanden hat, als die slawische Bevölkerung christianisiert wurde. Aus dieser Frühzeit ist allerdings nur die erste Nennung von Stiefern gesichert (902/903) – aber dadurch ist Stiefern (Stivinn, Stiuen) der am frühesten genannte Ort nicht nur im Kamptal, sondern im Waldviertel (die Orte an der Donau nicht mitgerechnet). Geweiht ist die Stiefinger Kirche dem hl. Johannes dem Täufer, was eine Reminiszenz an die einstige Taufe der Slawen sein könnte. Eine bauhistorische Analyse hat ergeben, dass das heutige Stieferner Kirchengebäude vor oder um 1150 entstanden ist. Damals betonte diese Kirche – wohl in bewusster christlicher Symbolik – das einstige Zugangsareal zur Burg von Stiefern (die heute in der Bausubstanz der benachbarten Häuser Kirchenplatz 5 und 6 nachvollzogen werden kann). Die Stieferner Kirche entwickelte sich demnach vermutlich als Benefizium der Herren von Stiefern, dessen Geistlicher ursprünglich vor allem die Burg, aber zusätzlich auch die Ortsbevölkerung seelsorglich betreute. Folgende bauliche Erweiterungen sind festzustellen: um oder nach 1300 der Turm, um 1400 das Presbyterium, um 1500 das Gewölbe sowie 1660/61 das hintere Querhaus – eine Erweiterung, die wohl auf die Gegenreformation zurückzuführen ist. Die Bezeichnung dieser Kirche als Wehrkirche ist oft anzutreffen, aber absolut unzutreffend.

Der Stieferner Kirchensprengel gehörte ursprünglich zur Pfarre Gars. Das durch die Herren von Plank gegründete Nachbardorf (Thür-) Neustift, das ca. 1250/1300 aus dem Stieferner Herrschaftsterritorium herausgelöst worden ist, gehörte bis 1760 zur Pfarre Gars bzw. seither zur Pfarre Stiefern. Beim frühesten für Stiefern nachweisbaren Geistlichen namens Otto (1266) ist zu beachten, dass er nicht als Pfarrer betitelt ist, sondern als „Leutpriester“ (plebanus). Der erste definitiv überlieferte pharrer ze Stifn namens Konrad (1315) war hier auch schulmaister und ist zugleich der drittälteste belegbare Schulmeister in Niederösterreich. 1349 wurde in Stiefern ein zweiter Geistlicher installiert, 1524 ein dritter. Das war in Stiefern der bisherige Höchststand. Als Folge des Protestantismus verblieb hiervon ab 1544 nur noch der Pfarrer.

1380 hat Stiefern vorübergehend die Pfarre Gars mitbetreut. 1628–1741 betreuten die Stiefinger Pfarrer auch die Pfarre Schönberg, nachdem dort der Protestantismus Überhand genommen hatte. Dass der Protestantismus in der Pfarre Stiefern nicht entscheidend Fuß fassen konnte, ist wohl dem Umstand zuzuschreiben, dass hier sowohl eine geistliche Grundherrschaft (das Kartäuserkloster Aggsbach) als auch eine geistliche Patronatsherrschaft (das Benediktinerstift Altenburg) dagegenwirkte. Der letzte Stiefinger Pfarrer war Anton Schmid († 1987). Von da an ist die Pfarre Stiefern von der Pfarre Schönberg aus mitbetreut worden. Der verwaiste Pfarrhof ist seit den 1990er Jahren privatisiert. Seit September 2010 befindet sich die Pfarre Stiefern im Pfarrverband Gars am Kamp. Dadurch wird der Status vor 1300 zur pfarrlichen Perspektive von Stiefern.

Literatur: Helmut Hundsbichler (Red.), Andere Zeiten. Jubiläumsbuch 1100 Jahre Stiefern. Stiefern 2003, S. 103–113, 136–145, 168–175.